Eine Wasserstrasse wird zur Lebensader

Der Rheinhafen Basel-Kleinhüningen und die Baselbieter Hafenanlagen in Muttenz Auhafen und Birsfelden sind von grosser wirtschaftlicher Bedeutung nicht nur für die Region Nordwestschweiz, sondern für das ganze Land. Der Präsident der Verkehrsdrehscheibe Schweiz, Schirmherrin des Hafenmuseums in Basel-Kleinhüningen, fasst die Bedeutung der Rheinschifffahrt und der regionalen Hafenanlagen für die Schweizer Wirtschaft zusammen. Lesen Sie nachfolgend den vollständigen Bericht mit Herrn Rolf Schlebach, Präsident der Verkehrsdrehscheibe Schweiz, erstmals erschienen im «tribune» 02/2022.

Der Rhein ist die wichtigste Wasserstrasse Europas und damit eine bedeutende Lebens- und Verkehrsader. Er ist der einzige Fluss, der die Alpen mit der Nordsee verbindet. Zur Zeit der Kelten heisst der Fluss Rhênos, bei den Römern Rhenus. Wir nennen ihn Rhein, Ry, Rhin oder Rijn, je nachdem, wo er durchfliesst. Mit der Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden sind das sechs Länder. Seine Mündungarme erreichen in den Niederlanden die Nordsee. Der Rhein ist rund 1‘233 Kilometer lang. Für die Grossschifffahrt sind ab dem schweizerischen Rheinfelden bis nach Rotterdam 883 Kilometer nutzbar. Am Mündungsgebiet des Rheins in die Nordsee befindet sich mit dem Hafen Europoort einer der weltgrössten Seehäfen. Er verdankt seinen Aufschwung der Industrialisierung in den über den Rhein erreichbaren Wirtschaftszentren. Unter den Rheinhäfen gelten die Duisburg-Ruhrorter Häfen als die grössten Binnenhäfen Europas. Die wichtigste Drehscheibe für den Import und Export der Schweiz sind die Schweizerischen Rheinhäfen.

Umweltfreundlich und flexibel

Wie auf anderen nationalen und europäischen Wasserstrassen wie der Elbe oder der Donau kommen auf dem Rhein Frachtschiffe zum Einsatz. Sie entlasten den Strassenverkehr erheblich. Ein modernes Binnenschiff mit einer Ladungsmenge von 3‘000 Tonnen ersetzt rund 150 Last[1]wagen-Fahrten. Die eingesetzten Schiffe sind flexibel einsetzbar für den Transport von Gütern wie Kohle und Erze, Agrargüter, Erdöl und Erdölprodukte, Sand und Kies, Stahl und Schrott, Container sowie Gefahrgüter. Dabei dominieren die Massengüter, die mehr als die Hälfte der Gesamtmenge ausmachen. Gefahrgut wie brennbare flüssige Güter, verflüssigte Gase oder trockene gefährliche Güter in loser Schüttung ist ein weiterer wichtiger Bereich. Gefahrgutnormen und hohe Sicherheitsstandards sind für einen sicheren Transport Grundvoraussetzung. Ein wichtiger Fortschritt war die Umstellung von Ein- auf Doppelhüllenschiffe, die im Jahr 2018 abgeschlossen war.

«Jeder vierte Container wird über die Rheinhafenterminals abgewickelt.»

 

Container boomen

Inzwischen wächst der Anteil der Transporte in Containern weltweit. Innerhalb des kombinierten Verkehrs ist das Binnenschiff ein wichtiger Partner in der Logistikkette. Ein Grossteil des Containerverkehrs wird über die ZARA-Häfen – Zeebrügge in Belgien, Amsterdam und Rotterdam in den Niederlanden und Antwerpen in Belgien – abgewickelt. Die Anbindung an das Hinterland und damit an das zentrale Europa ist hervorragend. Auch für besonders schwere oder sperrige Ladungen wie grosse Turbinen oder Rotorblätter eignet sich das Binnenschiff sehr gut. Auf der Strasse müssten bei einem solchen Transport Hindernisse wie Laternen oder Bäume oder gar Brücken aus dem Weg geräumt werden. Die Verkehrsbehinderungen wären gross und Infrastruktur-Schäden nicht auszuschliessen. Vorteile dieser Transportmöglichkeit sind die gute ökologische Bilanz, die noch immer freien Kapazitäten auf den Inlandwasserwegen, die Fähigkeit, besonders grosse und schwere Ladungen zu befördern und die pro Tonnenkilometer günstigsten Tarife.

Hafenmuseum

Die Ausstellung im Hafenmuseum greift die Hafen-Thematik auf und erzählt die Geschichte der Basler Schifffahrt, gewährt Einblicke in Spedition und Logistik, Rhein und Schifffahrt, See-, Binnen- und Personenschifffahrt sowie die Verkehrsträger Wasser, Schiene, Strasse und Luft. Der Hafenbereich nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Auch Ausbildung und Berufe in verschiedenen Bereichen werden thematisiert. Ein weiterer Bereich ist der Schiffernostalgie gewidmet, und in echten 20-Fuss-Schiffscontainern sind ein Kino und ein Schiffs-Simulator untergebracht.

Öffnungszeiten: Di – So 10:00 bis 17:00. Sommerferien Basel-Stadt: Fr/Sa/So 10:00 – 17:00 www.hafenmuseum.ch

Zentrum Europas

Schon in der Antike war der Rhein ein wichtiger Transportweg zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer. Die topographische Lage Basels galt als wichtiger Kreuzungspunkt für Handel und Verkehr, den auch die Römer erkannten und sich zu Nutze machten. Heute vereinen die Basler und Baselbieter Häfen im Zentrum Europas Wasser-, Strassen- und Schienenverkehr plus – dank ihrer Nähe zum EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg – auch die Anbindung an den Luftfrachtverkehr. Die 2008 gegründeten Schweizerischen Rheinhäfen (SRH), zu denen auch die Hafenanlagen in Muttenz (Auhafen) und Birsfelden gehören, bilden die nationale Verkehrsdrehscheibe am Güterverkehrskorridor Rotterdam–Basel–Genua. In den drei Hafenteilen werden jährlich sechs Millionen Tonnen Güter und über 100‘000 Container umgeschlagen. Ein Drittel der Mineralölprodukte und jeder vierte Container werden über die Rheinhafenterminals abgewickelt. Eine exzellente Anbindung auf Schiene und Strasse ermöglicht den Transport von Gütern aller Art. 80 Hafenfirmen erbringen Logistikdienstleistungen im Bereich Container sowie Schütt-, Stück- und Flüssiggut.

«Die Schifffahrt ist eine umweltfreundliche, energie- und kostensparende Art des Transportes.»

 

Volkswirtschaftlich wichtig

Die Schifffahrt ist von zentraler Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft. Die hoch differenzierte Produktion von Wirtschaftsgütern erfordert leistungsfähige Verkehrswege und Verkehrsmittel sowie eine weit gefächerte Logistik der Verkehrswirtschaft. Rund 10 Prozent der gesamten Importgüter gelangen über den Rhein in die Schweiz; davon 30 Prozent aller Mineralölprodukte. Die internationale Rheinschifffahrt ist somit ein bedeutender Verkehrsträger für die Schweiz. Die internationale Rheinflotte der Schweiz umfasst etwa 270 Fahrgast- und Güterschiffe, dazu einige Schub- und Schleppboote sowie Spezialschiffe (siehe Seite 8). Die durchschnittliche Transportkapazität pro Güterschiff beträgt etwa 2‘300 Tonnen.

Fazit: Die Schifffahrt ist eine umweltfreundliche, energie- und damit auch kostensparende, sichere und mit wenig Verkehrslärm verbundene Art des Transportes. Und absolut unverzichtbar für die Schweiz.

Bildquelle: Basler Zeitung

Rolf Schlebach

ist in Basel als Trommelinstruktor und -bauer bekannt. Als Kind einer Rheinschifferfamilie aufgewachsen, präsidiert er seit 2018 den Verein «Verkehrsdrehscheibe Schweiz», der aus dem Museum «Unser Weg zum Meer» in den letzten Jahren ein modernes und pädagogisch wertvolles Museum über den Basler Hafen, die Schifffahrt und die Hafenlogistik gemacht hat. Nach einer Planungs- und Bauzeit von 38 Monaten ist das neue Basler Hafenmuseum seit Juli 2021 der Öffentlichkeit zugänglich. Weitere Informationen auf www.hafenmuseum.ch